Mittwoch, 2. Februar 2011

Männer! oder Die Sache mit dem Ficken

„Du bist ja jetzt bei jedem Dreh mit dabei. Ist auch kein Wunder, Du bist ja schließlich die Schlampe vom Produktionsleiter.“ Schlampe, Hure, Ficken. Was Männer zu Frauen sagen und Frauen nicht zu Männern.

Die Bemerkung, dass ich ein Schlampe sei, traf mich volle Breitseite, völlig unverhofft und mit ekelhafter Ungenauigkeit mitten ins Gesicht. Es war auf einem Filmabschlussfest und ich war nicht die Schlampe vom Produktionsleiter. Der kleine Beleuchter, der mich mit diesen Worten so warmherzig verabschiedete, war sehr betrunken. In vino veritas? Die Erkenntnis, dass dieser hinterfotzige Typ tatsächlich dachte, was er gesagt hatte, traf tief und verletzte mich.

Gestern nacht traf ich auf Facebook Chat einen Freund. Der Bruder einer Freundin, ein äußerst zuvorkommender, höflicher, gut angezogener junger Mann, der zuviel und ebenfalls beim Film arbeitet und zu mir bis gestern ein eher sporadisch-distanziertes Verhältnis hatte. Der junge Mann, nennen wir ihn ruhig Peter, schrieb erst Belangloses. Ich, die ich ihn gern habe, reagierte dann auch völlig falsch, als er schrieb, wir sollten uns mal treffen. Ich schrieb: „Ja klar, gerne. Wann denn?“ Das muss im betrunkenen Kopf von Peter etwas schief angekommen sein und er schrieb, ich solle jetzt vorbeikommen. Jetzt sofort. Ganz abgesehen davon, dass es 1 Uhr nachts war und ich gar nicht weiß, wo Peter wohnt, fand ich das etwas zudringlich.

Dann wurde Peter aber noch viel expliziter: ich solle jetzt vorbeikommen, er würde meinen Körper begehren, er würde mich heiß FICKEN wollen. FICKEN war tatsächlich groß geschrieben, ich zitiere jetzt insofern nur korrekt. Als ich zurückschrieb, dass dieses Gespräch a) die Grenzen all dessen übersteigt, was ich mir wünschen würde und b) ich glaube, dass er entweder völlig dicht oder nicht er selbst sei, verstand er mich nicht. Er hätte gedacht, wir stünden uns nahe? Ich schrieb „Gute Nacht, Peter.“ und loggte aus. Heute morgen fand ich noch zwei Nachrichten von Peter in meinem Postfach: „Komm jetzt vorbei!“ und „Wollen wir uns morgen treffen?“

Als ich heute Peter anrief – er ist schließlich ein Freund und ich dachte, wir könnten da bestimmt was klären – ging er nicht ran. Er schrieb aber einige SMS. Eine davon beinhaltete die Worte: „liebe marie, verzeih mein gestriges. ich hab mich total betrunken, oh mann...“ Diese Woche sei schlecht mit Treffen aber vielleicht die nächste. Aha.

Neigen Männer, die beim Film arbeiten, eher dazu, sich zu verhalten wie die absoluten VOLLIDIOTEN (meine Schreibweise), die Frauen zu Schlampen und Fickludern degradieren? Oder ist es einfach nur männlich? „Ich fand deine Libido schon immer gut.“ – sagte mir einst ein betrunkener Kameramann, der zwar „FICKENFICKENFICKEN!!!!“ dachte, es aber gottseidank nicht aussprach. Die SMS, die mich dann auf dem Weg nach Hause begleiteten, sprachen allerdings ganz andere Bände:

1) „Schlaf gut und danke das du phillip deine Nummer gegeben hast und mir nicht..... Hab verstanden Björn“
2) „jaha, warum bist du eigendlich gegangen? Bis bald hoffe ich“
3) „Ps. Wo wohnst du nochmal?“
4) „Ok, dann eben nicht.....Schlaf gut“

Die oben genannten zwei Digital-Diskurse ließen darauf schließen, dass der Filmschaffende sich als degradierendes Subjekt besonders gern und intensiv die Frau zur Brust nimmt. Doch auch in der Männerwelt außerhalb des Films sind zackige Sprüche weit verbreitet.

„Ich bin nicht in deinen Geist verliebt, sondern nur in deinen Körper“ – ein Satz, der in meinem Leben mal dazu geführt hat, dass ich eine Beziehung beendet habe. „Ich finde deinen Geist geil, würde mir aber wünschen, du hättest einen schöneren Körper“ – same same für eine Freundin von mir. Diese mit viel Liebe und Respekt geäußerten Sprüche lassen sich nicht an der Verdammung des Geistes durch die Filmwirtschaft festmachen – die Spezimen, die sich dermaßen differenziert einen Pfahl aus Frauenhass in Herz und Hoden gerammt haben, sind keine Filmemacher. Aber Männer.

Auf die Frage, ob er Frauen raten würde, zur Bundeswehr zu gehen, sagte mein Bruder, der in der Marine war: nein. Es gäbe viele Vorwürfe von sexuellem Missbrauch, vor allem auf Schiffen. Und Jenny Böken, ja, er denkt es sei plausibel, dass sie misshandelt wurde und sich entweder selbst das Leben genommen habe oder getötet wurde. Die Belegschaft der Gorch Forck hätte "so einen Ruf". Er sprach davon, wie die Matrosen auf seinem Törn in jedem Hafen ins Bordell gingen. Er erklärte, dass es sehr unattraktive Frauen gibt, die zur Marine gehen, um endlich an einen Mann zu kommen. Denn: „An Bord, nach ein paar Monaten auf See, da nehmen die jede. Jede, völlig scheißegal, wie die aussieht.“

Die Fragen, die sich mir stellen, sind: Bin ich, als besonders weiblich aussehende Frau besonders gefährdet, mir dumme Sprüche anzuhören? Oder hört sich jede Frau im Leben diese Rotze an? Eine Erkenntnis, die mich durchaus erschreckt und ängstigt, ist übrigens, dass es im Inneren der Männer, die Sprüche kloppen und im Bordell ficken, genau so ist, wie sie es im betrunkenen Zustand erstmalig zeigen. Wir reden hier von steinzeitartigen, triebgesteuerten Idioten, die im normalen Leben vorgeben, aufgeklärte, sensible Männer zu sein. In vino allerdings kommt die Wahrheit zum Vorschein, der Mann trommelt sich imaginär auf die Brust, stößt Brunftschreie aus, läuft zur nächsten Frau, packt sie wahllos an einem sekundären Geschlechtsteil und lallt: „HU-RE“.

Ich bin im übrigen enttäuscht von der Nicht-Erziehung dieser Männer. Ob nun mit oder ohne Entschuldigung: Männern, die mich 1) an Brüsten oder Arsch angefasst, 2) als „Schlampe“ oder „Hure“ bezeichnet haben oder 3) mit mir FICKEN wollten und mir das per SMS mitteilen, kann ich nur partiell verzeihen, wenn überhaupt. Und wo sind die Männer, die auch im betrunkenen Zustand von Rosenbeeten träumen und sanfter Liebe auf mediterranen Dachterrassen?

Schlussendlich steht zur öffentlichen Debatte, was zu tun ist, wenn man sich in einer der erwähnten Grabsch-Beleidig-Situationen wiederfindet. Meine Vorschläge:

1) Schnell ansprechen, dass man es kacke findet und hoffen, dass er nicht nochmal die bösen Worte sagt. Und sich nicht aufregt und einem eine reinhaut.
2) Besser: Dem Mann in die Eier treten und sich verächtlich abwenden, wenn er sich windet.
3) Noch besser: Ihm ins Gesicht spucken und ihn darüber informieren, dass es sich nicht schickt, Geschlechtsverkehr vor der Ehe zu praktizieren.
4) Am besten: Das Schwert zücken und ein „I“ für „Intelligenzbestie“ ins T-Shirt schlitzen.

Obwohl die Forschung meint, dass man betrunken genauso ehrlich ist wie nüchtern, gibt sie zu, dass durch das Wegfallen der Hemmschwelle im alkoholisierten Zustand die veritas eher zum Vorschein kommt. Vielleicht wäre es ja ein Anfang, Männern den Alkohol zu verbieten. So wie jetzt Rauchen in Kneipen verboten ist, vielleicht hilft ja ein Männer-Alk-Verbot, den inflationären Gebrauch von „Schlampe und Co.“ zu reduzieren. Wenn wir dann anhand von außerirdischer Strahlen-Spiegel-Technologie eine Umpolung der menschlichen Denkmuster erzeugen könnten – das wäre schön. Was wäre das für eine fantastische Welt, in der Frauen a) Männern an die Schwänze oder Ärsche fassen, die den Job eh nur bekommen haben, weil die Produktionsleiterin sie vögelt, 2) sie als „Hurenböcke“ oder „Stricher“ bezeichnen und 3) mit ihnen FICKEN wollen, am besten hier und sofort!??

2 Kommentare:

Kuschelmuschel hat gesagt…

uiuiui, da ist soviel drin, was ich kommentieren wollen würde aber ich sag nur 1: du hast recht!

und noch ein paar dinge:

männer und alk goes not.

bitte nicht alle filmenschen sollen doof sein.

lieber ne klare ansage, als gar keine und dann kann man ja trotzdem vögeln.

ja, weibliche frauen müssen mehr doofe, sie auf ihre primären merkmale reduzierenden sprüche und antaschereien ertragen.

nein, in vino nicht veritas sondern viel zu oft dummheit. die wiederum wahr ist.

auf die männer, die auf mediterranen dachterrassen wunderbar (und meinetwegen auch sanft) vögeln wollen und dir danach die dornen von den rosen brechen, die sie im nachbarsdachterrassengarten gemopst haben.

Kuschelmuschel hat gesagt…

i like! du solltest irgendwann deine vielen soziologischen, gesellschaftlichen und kulturellen analysen im sammelband herausgeben. wie sarah kuttner. obwohl du geiler schreiben kannst! in escht!