Tagtraum
Neujahr. Braunrotes Tauwetter über Bergen von Schnee. Die schönste Stadt der Welt ganz in grau und ganz vertraut. Der Kopf irgendwo in einem warmen Brei. Ganz ohne Fokus ein paar verschwommene Bilder. Vertraute Stimmen, ein leichtes Summen und dieser Geruch. Genau der. Als sei es erst ein paar Tage her. Der Blick noch diffus, doch ohne Missverständnis. Leichtes Husten, so dass deine Stimme zu hören ist. Es wird spürbar wärmer. Und plötzlich rieche ich dich überall. Ich lasse die Augen einfach zu. Warum wieder hinschauen? Da ist ja nichts. Die Zeit hat uns schon lange überholt. Meine Hände wissen, was sie tun. Du sagst nichts. Vielleicht aus Angst, ich könnte aufhören, obwohl du weißt, dass ich es nicht kann. Diesmal nicht. Ich krieche unter deine Fingerspitzen. Erst zitterst du noch, aber ich gehe bis unter deine Haut. Und plötzlich bist du da. Aufsteigst über mir, als wäre etwas durchbrochen. Deine Hände noch nasskalt wollen überall gleichzeitig sein. Du greifst meine Schulterblätter und verlangst nach meinem offenen Mund. Maßlose Lippen umfassen mich, meine Zunge, meinen Hals, meine Fingerspitzen. Du riechst so gut. Ich will dich aufsaugen, dich überall lecken, aber du lässt mich nicht. Du fixierst mich einfach am Boden, die linke Hand in meinem Mund, die rechte über meinen Brüsten und Armen. Du presst deine Lippen auf meine offenen Schamlippen und ich will schreien, aber du umgreifst mit der linken meinen Unterkiefer und presst deine Finger auf meine Zunge. Du machst einfach weiter und weißt genau, dass ich dich nicht ließe, weil ich es bin, die dich lecken will. Aber du lässt mich nicht. Du drehst mich auf den Bauch, presst deine Hand auf meinen Hinterkopf und leckst mich von hinten, als suchtest du nach etwas. Dann lässt du mich frei, mit einer Leichtigkeit hebst du meinen Oberkörper an dich und mein Gesicht an deins. Du küsst meinen offenen Mund, mit der linken Hand auf meiner Wange, die du nach hinten zu dir drehst, während du tief in mich eindringst, von hinten, ohne Rückhalt.
Alltag
Schlechte Popmusik. Und immer wieder dieselben Lieder. Es ist kaum auszuhalten. Und trotzdem hilft der Rhythmus. Man vergisst den Schmerz, wird langsam warm. Wie in allem, was ich tue, nehme ich mich wieder sehr ernst und spiele ständig mit meinen Grenzen. Seitdem ich hier angefangen habe – eigentlich nur um für einen Fahrradurlaub zu trainieren – hat sich nicht nur in meinem Körper was getan. Langsam werde ich zu einer Radfahrerin, meine zwar immer noch, ich sei Läuferin, aber wo fühle ich mich mehr zuhause? Komischerweise in diesem kleinen stickigen Raum voller schwitzender Leute mit einem Typen vorne, der uns anbrüllt, während wir uns die Seele aus dem Leib radeln, ohne auch nur einen Zentimeter voranzukommen. Und was hat dieser Typ überhaupt außer einem Haufen Muskeln und einer netten jugendlichen Art? Eigentlich nur eins: er ist eben der, der da vorne sitzt und uns anbrüllt. Und der, der merkt, wie viel Energie ich habe. Und ich fange wieder an zu phantasieren. Will ihn ein bisschen beeindrucken. Und gleichzeitig übertreffe ich mich selbst. Mag mich so. Kämpferin. Die, die immer mehr will. Und die immer mehr schwitzt als jeder Mann in dem Raum. Ich bekomme schon Spitznamen. Und spüre mein Ego. Zum Glück ist da nicht der Geruch. Und auch die Form passt nicht. Er ist zu kompakt. Ein richtiges Päckchen. Und natürlich spüre ich seine Blicke. Er hat mich schon lange entdeckt.
Und dann wieder dieses schreckliche Lied: „I - had - the time of my li-i-ife...“
Zum abgewöhnen.
2 Kommentare:
guter tagtraum, vor allem, wenn er sich in einen monotonen alltag intregrieren lässt - ich freu mich schon jetzt auf das nächste mal fahrradfahren!
wuuuha. feines ding. sehr gut, frau kuschelmuschel. ich möchte mehr davon!
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