der typ war gar nicht mein fall und das genau war mein fall. schon von anfang an. unheimlich.
er hatte so eine liebe dunkle art, die mich heimlich schutz suchen ließ.
ich betrog meinen freund oft in gedanken, ich suchte die nähe des anderen, der das komplette gegenteil von dem war, was ich an meiner seite haben wollte, aber die gewissheit, dass ich eine beziehung führte und mir ein seitensprung moralisch zu abwegig wirkte, ließ mich mich sicher fühlen und ich belog mich zum zeitvertreib selbst ein wenig.
ich war mit beiden auf einer party, wir tranken zu viel. ein glück waren sie keine wirklichen freunde sondern nur saufkumpanen. ich hielt meinen freund im rechten arm, mit meiner linken hand langte ich an den arsch von dem anderen. er hielt meine hand fest. ich prüfte die situation zu meiner rechten.
ich fuhr nach der party mit meinem freund nach hause und dachte zu viel nach.
dann vergaß ich alles wieder und ließ mein leben weiter vor sich hin fließen.
einige zeit später hatte ich keinen freund mehr. und der andere rief mich während der arbeit an, weil er die neuigkeiten vernommen hatte. es war verrückt und unromantisch, wie ich dort hinfuhr und wir beide schon zu wissen schienen, wo wir hinwollten.
ich betrat sein zimmer und wusste, dass er nicht mein typ war. seine schwarzgefärbten emo-haare hingen ihm wild ins gesicht und seine wulstigen lippen lächelten, als ich meine schuhe auszog.
es war unerträglich heiß in seinem zimmer und ungemütlich, weil er rauchte und ich hing mit meinen blicken an seinem lippenpiercing und fragte mich, was ich hier tat, was ich wollte und ob ich das alles schön fand.
aber um adjektive zu suchen, wollte ich mir keine zeit nehmen, denn es war keine zeit für romantik, keine zeit für lyrik. wir schauten zwei filme, danach konnte er es nicht mehr erwarten und fing an mich zu küssen.
und es war erstaunlich gut. und es wurde auch immer heißer in seinem zimmer, unter meiner kleidung, unter seiner kleidung und ohne kleidung und seine starken arme hielten meinen körper, wie ich es schon lange nicht mehr gespürt hatte. diese kraftvolle bestimmtheit hatte mir gefehlt.
er wollte mit mir schlafen, ich hatte meine tage und schob das als grund vor, warum ich es stoppte. er fand es auf irgendeine pseudoverständliche art und weise okay und fing nun diplomatisch an, gespräche über lesbensex zu führen. es war merkwürdig. so halbnackt neben jemanden zu liegen, dem man auf plötzliche art und weise so vertraut war und sich über muschilecken zu unterhalten.
ich wollte nicht mit und schon gar nicht bei ihm schlafen und meine augen brannten wegen des rauchs und so fuhr ich nach hause. nachts um halb zwei. meine lippen brannten genauso als ich einschlief und das merkwürdig flaue aufregenden gefühl hielt auch noch den ganzen nächsten tag an, als ich nach groß döbbern zu arbeit fuhr.
der typ war gar nicht mein fall und das genau war mein fall. schon von anfang an. unheimlich.
How I Beat Bulimia, One Therapist At A Time
vor 10 Jahren
1 Kommentar:
wie kommt es, dass ich mich so gut darin wiederfinde, in deinem fall? das gefühl, was in mir hochkommt, scheint wie ne universalie oderso. unheimlich.
schöner text, verrückte!
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