sie war erst achzehn und hatte die ganze welt vor sich liegen. bunt und weit und sättigend erschien sie, diese welt. raus da! rein ins wahre leben!
von nun an sollte das wort "schule" der vergangenheit angehören. draussen gedieh der sommer und alle fuhren in urlaub. eine sehr gute freundin war gerade aus den staaten zurück und wollte sie gerne mitnehmen nach mallorca. denn dort hatten die eltern der freundin eine kleine wohnung mit blick aufs meer. sie war entzückt von der idee, mit dieser freundin eine weile der grossstadt zu entfliehen: weg von den eltern, die ja schon so gespannt waren, was sie wohl mit ihrem leben anfangen würde, jetzt wo sie das abi so toll geschafft hatte...
also fuhr sie mit der freundin nach mallorca. eine woche, vielleicht auch zwei. es war wunderbar. blaue buchten, schroffe felsen und sonne, bis der abend kam. dann gingen sie immer in den ort. der war nicht weit und nicht sehr schön, aber es gab restaurants, bars und tanzschuppen, so weit das auge reichte. sie selbst dachte noch oft an einen sehr weichen menschen in grossen stadt, bis sie - wie die freundin - auch mehr und mehr auf die männer achtete, die sie und ihre freundin beim tanzen beobachteten. einer fiel ihr ganz besonders auf. er mixte ihr americano, so lange er noch campari hinter seiner bar hatte. er zeigte ihr auch die bilder, die er in einem goldenen Anhänger um den hals trug: seine frau auf der einen, sein kind auf der anderen seite. sie liess sich all das gerne zeigen, mit einem lächeln auf den lippen, das sie nicht mehr verliess, wenn sie in seine nähe kam. sie liess sich gerne von ihm beobachten, hätte mit ihm tanzen wollen, aber er, er hatte seinen platz und mixte ihr noch einen americano. sein name war paco.
die nächte waren lau. sie und ihre freundin kamen jeden abend an den ort zurück. sie meinte, für die verbleibenden tage ihren platz gefunden zu haben. jeden abend kam sie paco etwas näher. sie sprach kein spanisch. er sprach deutsch. die freundin teilte so einiges glas und manchmal auch das bett mit schwarzgelockten eroberungen. aber sie, sie blieb immer nur nahe bei der bar, um diesen paco nicht aus den augen zu verlieren. dann kam der letzte abend. die freundin liess sich von einem grossen schwarzgelockten umtanzen und sie, sie war dort, wo sie immer war, einen americano in der hand. als sie ihm sagte, dass dies ihr letzter abend sei, lud er sie ein, im morgengrauen wiederzukommen. dann, wenn alle türen verschlossen waren, würde er - nur für sie - den nebeneingang öffnen und sie hätten den ganzen laden für sich ganz allein. sie war beigeistert und versuchte, nicht zu überschwänglich zuzustimmen: "das wäre schön!"
bis fünf uhr morgens lief sie barfuss den strand auf und ab. er würde ihr bestimmt einen drink machen. er würde eine cd einlegen und endlich würde er mit ihr tanzen! sie konnte es kaum erwarten. der andere einst so weiche mensch war schon lange von der grossstadt verschluckt worden. in dieser nacht gab es nur sie und paco und americano. ein traum.
er öffnete ihr die tür. dabei schaute er sich um. dann verschloss er die tür. sie gingen nach unten. er führte sie, vorbei an der bar, in einen raum, den sie vorher nie gesehen hatte. er machte das licht an und schloss die tür. sie schaute sich ungläubig um: blassweisse wände, ein schreibtisch voller akten, ein stuhl und sonst nichts. kein bild, keine musik, kein indirektes licht und kein americano. wie um sicher zu gehen, dass sie nicht träumte, prüften ihre augen nochmal jede ecke und dann ihn. er knöpfte seine hose auf liess sie von alleine runterrutschen. dann schaute er ihr direkt ins gesicht und sagte bestimmt: "mach was schönes!"
How I Beat Bulimia, One Therapist At A Time
vor 10 Jahren
1 Kommentar:
was schönes hehehe. das muss ich mir merken! kuss ins halbfranzösische weitwegland von olle dreameater xx
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