ich liebte ihre schwarz gerahmte brille und die art, wie sie ihr blondes haar streng nach hinten band. es gelang nie ganz, da ihre frisur immer etwas strohig wirkte und ich ihr beim küssen das haarband immer sofort abstreifte. wie auch den rest ihrer kleidung.
und dann standen wir oft da und betrachteten uns und unsere seele. es schien, als seinen wir körperlos, da wir nur dem inneren, wundersamen des anderen immer näher kommen wollten.
und es klappte gut.
ich besuchte sie in einer sommerwoche und wir hatten das haus in einem kleinen dorf in baden-würtemberg für uns. ich liebte ihren dialekt und die behutsamkeit, wie sie mit meinem wesen umging. ich liebte die musik, die sie mir zeigte und die art, wie sie den mozarella schnitt. wir schauten filme und weinten an den unterschiedlichsten stellen und erklärten uns, warum.
wir besuchten ihre mutter auf dem friedhof und ich war sie und sie war ich. wir hielten uns die ganze nacht und den ganzen tag, sie belächelte liebevoll meine ungestüme art und ich trug sie auf händen durch das ganze haus. wir frühstückten auf der terrasse und betrachteten unsere leben. wir schmiedeten pläne für die zukunft und im herbst zog sie nach berlin. sie tat alles, um mich zu sehen und für mich da zu sein. ich gab alles und nahm alles und wir umfassten unser ganzes sein wie ein wertvolles geschenk.
es sollte für immer sein.
und wir tanzten glücklich durch den herbst und durch den winter, kämpften kleine kämpfe gegen den rest der welt und kehrten in unserem wir ein um frieden und glück zu finden.
der sex war fantastisch, eben weil es direkt ins wesen ging und es nicht darum ging, irgendeine muschi zu ficken. ich wollte diesen mensch und ich wurde als mensch gewollt mit allen ecken und kanten.
wir redeten über alles, immer tiefer in unsere wesen hinein und es tat gut und ich fühlte, dass es ein schlüssel zum wahren glück war, dass wir gotteskinder sein mussten, weil wir uns begegnen durften.
viele tage gingen ins land und schafften die basis für eine perfekte beziehung. kein einengen, pures glück, pures vertrauen und als der nächste sommer ins land kam, kam ein neuer mensch.
ich weiß nicht, warum ich auf einmal dachte, ich müsste einen mann haben. ich war geschwächt von den vielen auseinandersetzungen mit meiner familie, ich war auf einmal unsicher, hörte geschichten von familien, die kinder kriegen konnten, ganz natürlich. schwanz + muschi = kind. ich konnte das nicht. und ich wurde unzufrieden, ängstlich und suchte nach schwächen bei ihr. und dieser bekloppte typ kontaktierte mich immer intensiver und ich kontaktierte zurück und missbrauchte das vertrauen meines glücks.
ich traf mich mit ihm und redete über meine ängst, über mein lücken-dasein, dass ich das gefühl hätte, nicht in diese welt zu passen.
er war da, er war verständnisvoll, er war tief, er war neu und letztendlich missbrauchte er meine unsicherheit. und ich missbrauchte sie auch. ich ließ sie allein um etwas neues zu beginnen und frage mich manchmal heute noch, wie alles passieren konnte.
der typ ist nun mein bester freund, da wir sexuell zu 0% zusammen passten und unser vorhaben, einen erotischen abend zusammen zu verbringen, mehr als nach hinten losging.
sie wohnt heute in nrw und hat keine strohigen haare mehr. sie glättet sie und trägt kontaktlinsen. außerdem färbt sie dunkelbraun bis schwarz und rennt ins solarium, um ihre blassheit loszuwerden. heute passt sie nicht mehr auf mich auf, sondern auf eine andere und das ist auch okay, weil wir unser glück wohl viel zu früh gefunden hatten, alsdass es ein ganzes leben ohne andere erfahrungen hätte halten können.
aber oft denke ich an sie.und ich versuche auch, auf einen anderen aufzupassen.
manchmal höre ich ihren dialekt am telefon, spüre einen teil von ihrem wesen in ihrer stimme und denke doch, dass sich alles verändert hat.
wir haben jetzt beide beziehungen, in denen wir wachsen. kein hundertprozentiges vertrauen, keine sicherheit und keine harmonie. aber wir wachsen. und manchmal denken wir an unsere geschichte. und ein teil meines inneren kindes sehnt sich noch manchmal nach ihrer beschützenden hand, nach dem gefühl, dass wir zwei gegen den rest der welt waren und dass wir wussten, was wir aneinander hatten.
mit ihr an meiner hand war ich der stolzeste mensch der welt, denn sie war mir das wertvollste.
manchmal möchte ich sie mitten in der nacht anrufen und fragen, wie es ihr geht, aber es ist alles zu lange her.
eine studie sagt, dass man im gesamten leben nur 2-3 mal die große liebe, die allumfassende, große liebe finden wird. und ich habe manchmal angst, dass sie irgendwann nochmal zurückkommt. mich ansieht und ich es wieder weiß. was ich versucht habe, seit 3 jahren zu verleben, das gefühl. das eine besondere. wie es mit ihr war.