Am Anfang ging es alles wie von selbst. Es begann an einem Sommerfest. Ein schöner Zufall. Zwei Leute lernen sich kennen, ganz unvoreingenommen, und bei jedem weiteren Treffen merken sie, wie viel sie gemeinsam haben... Zuerst die Vergangenheit: Abgründe, Sucht, Kampf, Leere und langsam Schritt für Schritt zurück ins Leben. Dann die Gegenwart: Körper, immer in Bewegung, immer gespannt wie ein Bogen und so sehnsüchtig nach dem weichen Summen der Zufriedenheit. Und die Zukunft: ewiges Streben, Verlangen, immer weiter gehen wollen und sich nie ganz spüren außer im wilden, sinnlichen Jetzt.
So haben wir einander entdeckt, jeden Moment, jedes Jahr ein wenig mehr, und immer ging es alles wie von selbst. Wir wurden wie Magneten, haben uns gegenseitig gezogen. Immer wenn wir zusammen waren, haben wir uns bewegt, uns im Rhythmus besser verstanden als mit Worten. Es war alles so leicht. Wir waren zusammen laufen am See und danach im Wasser. Wir haben zusammen trainiert, uns überall angefasst, ohne Scham und ohne voneinander Besitz zu ergreifen. Nur Liebende wollten wir nie sein. Er hatte sein Leben, ich hatte meins. Da gab es nichts zu vereinen. Die Momente mit ihm waren immer pur und nackt und schön. Da gab es auch nichts zu ergänzen.
Es dauerte drei Jahre, bis wir es beide einsahen: Wir konnten nicht mehr voneinander lassen. Wir verbrachten mehr Zeit miteinander als mit irgendwem sonst. Wir führten beide ein Doppelleben, an dem weder unsere Partner noch unsere Freunde teilhatten. Wir hatten uns ganz allein und konnten den anderen nicht mehr loslösen aus dem großen Bild. Ich hatte mich verliebt. So unglaublich verliebt in diesen Mann mit vier Kindern und einem Leben, das ich niemals hätte teilen wollen. Aber so war es eben. Es ging nicht mehr beiseite zu schieben. Ich wollte ihn und er wollte mich genauso. Damals ging es dann alles ziemlich schnell. Wir kamen uns näher, hatten die erotischsten Momente und schliefen doch nie miteinander. Da war noch zu viel Zauber. Wenn ich an seinen Geruch nur denke, wird mir fast schwindelig. „Du fasst einen so schön an,“ sagte er ein Mal. „Ich fasse nur dich so an,“ hab ich geantwortet. Und wir beide betrogen unsere Partner – als sei es das Natürlichste auf der Welt. Bis heute bereue ich keinen einzigen Moment.
Dann war es plötzlich vorbei. Ein Drama. Es sollte schließlich auch nicht sein. Irgendwann musste es platzen. Seine Freundin bekam es raus, er beschloss, sein Leben zu ändern, um mit seinen Kindern sein zu können und wahrscheinlich, weil er Angst hatte, allein zu sein. Ich verließ meinen Freund und ging ins Ausland.
Das war vor drei Jahren. Die Geschichte, die nie hätte beginnen dürfen, war vorbei.
Und jetzt steht er plötzlich wieder vor mir und scheint erwachsen geworden. Gesund und mit echten Plänen für die Zukunft. Mit einem Haus und einem Hund und der gleichen Frau, die ihm wohl verziehen haben muss. Und ich genauso. Kein Haus, kein Hund, aber den Mann meines Lebens an meiner Seite. Den, mit dem ich Kinder haben will.
Und da sitzen wir mit unserer gemeinsamen Vergangenheit, mit der vergangenen Gegenwart und der ewig unfassbaren Zukunft und ähneln uns immer noch so sehr. Und er riecht noch genauso. Er sieht mich genauso an und ich will ihn wieder mit der gleichen Gewalt. Heißkalte Schauer auf meinem Rücken und mir wird klar, dass ich süchtig bin.
How I Beat Bulimia, One Therapist At A Time
vor 10 Jahren
3 Kommentare:
ich möchte der autorin das lied "ein stück von dir" von regy clasen ans herz legen. ;-)
http://www.youtube.com/watch?v=tZID-V3DHUk
Ich möchte der obigen Kommentatorin sagen, dass "Ein Stück von Dir" sehr schön ist und ich seltsamerweise gerade an Frau Clasen dachte. Und der Autorin will ich sagen, dass das Leben ohne sie viel farbloser wäre.
danke für die schönen worte, meine schönen! ja, das lied ist wirklich schön... ich kannte es nicht. wie viel diese lilane seite immer wieder in mir bewegt! demut.
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