Die Zollbeamtin schloss die Tür zum Aufenthaltsraum hinter sich zu und lief mit dem gewaltigen Schritt einer Autorität gelangweilt und müde durch die Abfertigungshalle des Flughafens. Counter reihte sich an Counter und tausende Menschen warteten mit ihrem Gepäck auf ihren Check-in. Es war ein heißer Tag, und die Zollbeamtin schwitzte in ihrer Uniform. Die Mittagspause war vorbei. Jetzt musste sie nur noch zwei Stunden aushalten, dann würde sie abgelöst werden. Ihre Aufgabe war es, verdächtig aussehende oder auf irgendeine Art auffällige Reisende aus den Schlangen herauszuziehen und deren Gepäck zu überprüfen, gegebenenfalls auch ihre Kleider, und bei begründetem Verdacht sogar Leibesvisitationen durchzuführen. Letzteres hatte sie erst einmal tun müssen. Seitdem vermied sie diese Maßnahme unter allen Umständen. Lange Zeit hatte sie das Bild des Mannes und seine hasserfüllten und schmerzverzerrten Augen noch im Gedächtnis behalten, und sogar jetzt überkam sie noch ein flaues Gefühl des Ekels. Es war eine erfolgreiche Untersuchung gewesen, aber sie konnte gut auf diese rektal erworbenen Lorbeeren verzichten. Das überließ sie dann doch lieber ihren sadistisch veranlagten Kollegen, von denen es genügend gab.
Während sie die Wartenden begutachtete und mit ihren Kollegen und Kolleginnen ab und an bedeutungsschwangere Blicke austauschte, dachte sie an ihre Freundin und daran, dass sie sie heute Abend sehen und ausführen würde, denn sie waren nun mittlerweile seit sechs Jahren zusammen und abgesehen von den üblichen Abnutzungserscheinungen wägte sie ihre Beziehung eine glückliche. Zumindest redeten sie und lachten noch miteinander, und im Bett bekamen beide immer noch, was sie wollten, auch wenn es manchmal etwas statisch schien. Für Aufregung sorgte dann aber immer wieder der Einkaufsbummel zu ihrem Kiezsexshop, der überraschenderweise jedes Mal aufs Neue etwas für sie bereithielt, das ihnen in den folgenden Wochen den Schlaf raubte.
Die Polizistin überlegte gerade, ob ihre Freundin überrascht sein würde, wenn sie mit einem Strauss Blumen nach Hause kam, oder ob sie auch daran gedacht hatte, dass heute ein besonderer Tag war, als ihr eine Frau in einem schwarzen Minirock und einem grauen Blazer über einer weißen Bluse auffiel. Sie hatte Beine bis zum Hals und mit blonden Strähnchen durchzogene, halblange Haare. Ihr Gesicht war eher gewöhnlich attraktiv, hatte aber einen Blick, der sowohl Überdruss als auch Melancholie verhieß. Eine sehr sexy Kombination, dachte die Polizistin und schlenderte langsam zu ihr hin. Sie entschloss sich schließlich, die Dame mit der „verdächtigen“ Reisetasche zu bitten, ihr mit ihrem Gepäck in eines der Durchsuchungszimmer zu folgen. Es wäre nur reine Routine.
Die Frau schaute etwas überrascht, aber folgte der Polizistin ohne Diskussion. Sie hatte schließlich nichts zu verbergen, außer vielleicht – ein Gefühl der Scham überkam sie – hätte sie den Dildo doch nicht mitgenommen. Jetzt würde sie ihn auspacken müssen vor einer völlig Fremden, noch dazu einer Polizistin, die diese Geschichte wahrscheinlich überall und zu jeder Gelegenheit zum Besten geben würde. Aber vielleicht fand sie ihn ja auch gar nicht. Egal, die sahen wahrscheinlich noch viel komischere Sachen in ihrem Arbeitsalltag. Dildos konnten diese Leute bestimmt nicht mehr aus der Ruhe bringen.
Das Zimmer war klein und erinnerte etwas an ein ranziges Hotelzimmer oder eher eine Gefängniszelle. Auf der linken Seite der Tür befand sich ein großer Spiegel mit einem Tisch davor, auf der rechten war ein winziges Waschbecken angebracht, was so aussah, als ob es monatelang keinen Putzlappen gesehen hatte. Darüber hing eine Art Medizinschränkchen aus hellblauem Plastik. Der Raum war dreckig, und zum ersten Mal war es der Polizistin ein wenig peinlich.
Wie befürchtet, musste die Frau ihre Reisetasche öffnen und sie von der Uniformierten, die sich aus dem Schränkchen ein paar Gummihandschuhe genommen und übergezogen hatte, durchsuchen lassen. Der Dildo war in Geschenkpapier gewickelt und ragte etwas kühn aus der Unterwäsche hervor. Als hätte man es mit irgendeinem Duftstoff oder einer grell blinkenden Neonbirne ausgestattet, fand die Polizistin den verdächtigen Gegenstand nach kurzer Zeit und hielt ihn ein wenig ratlos in der Hand, bevor sie die Frau aufforderte, das „Geschenk“ aufzumachen. Die Frau zögerte kurz, aber entblätterte den Dildo ohne eine Miene zu verziehen und hielt ihn der Polizistin unter die Nase. Ein verwegenes Grinsen umspielte kurz den Mund der Polizistin, die der Frau nach einer kleinen peinlichen Pause bedeutete, sie könne es wieder einpacken. Na und? Ich steh dazu, dachte die Frau und schloss den Reißverschluss ihrer Tasche, nachdem die Polizistin fertig war. Sie hatte halt gern Sex, je ausgefallener desto besser.
„Ich muss Sie noch abtasten. Beine schulterbreit auseinander und Arme ausstrecken!“ Das Lächeln auf dem Gesicht der Polizistin war verschwunden, also war es wohl kein Witz. Die Frau tat wie ihr befohlen und schaute ein wenig genervt an die Decke, während die Hände der Polizistin jeden Zentimeter ihres Körpers genau befühlten, etwas zu genau, wie die Frau fand, aber es störte sie nicht sehr. Im Gegenteil: sie fand Gefallen daran und fing an die Polizistin zu beobachten, die nun genau vor ihr stand und auf ihre Brüste starrte. Alles echt, darauf war die Frau sehr stolz. Ihre Arme wurden langsam schwer und sie fragte sich, wie lange das noch dauerte, als sie die Hände der Polizistin plötzlich auf ihren Brüsten spürte. Sie glitten nicht nur drüber, nein, sie tasteten sie ab wie beim Frauenarzt. Die Frau wusste nicht, ob sie eher empört oder erregt sein sollte, ließ sich aber außer einem Blick, der zwischen Unsicherheit und Entzückung schwankte, nichts anmerken.
to be continued...
How I Beat Bulimia, One Therapist At A Time
vor 10 Jahren
3 Kommentare:
Ist ja schon etwas beunruhigend, finde ich... aber freu mich auf die fortsetzung!
ich liebe zweiteiler ;)
to be CONTINUED??? ALTER! what isn ditte? FOLTER? :) I want MORE!
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