Sonntag, 14. Juni 2009

muschiblick - aus gegenem anlass



wie man sich bettet, so schläft man: embed link /get code vom video in html einkopieren. viel spaß!

Donnerstag, 11. Juni 2009

Worte für die Zeit, die uns entrinnt

Da bist du wieder und riechst so gut, dass es mir den Verstand raubt. Du kommst mir näher, berührst meine Schultern, öffnest deine Arme und drückst mich an deinen grossen warmen Körper. Du durchdringst mich. Dein Atem auf meinem Hals, deine Stimme, deine Fingerspitzen… Ich will etwas sagen, will DANKE sagen. Meine Stimme versagt, mein Körper antwortet. Jede Berührung, jeder Hauch, jeder Kuss fließt direkt aus meinem Innersten auf deine heiße Haut. Ich fürchte nichts. Alles ist rund. Die Zeit steht still... und tut es doch nicht. So unfassbar, diese Leichtigkeit, und so vergänglich.

Dienstag, 9. Juni 2009

sound of white.

ich liebte ihre schwarz gerahmte brille und die art, wie sie ihr blondes haar streng nach hinten band. es gelang nie ganz, da ihre frisur immer etwas strohig wirkte und ich ihr beim küssen das haarband immer sofort abstreifte. wie auch den rest ihrer kleidung.
und dann standen wir oft da und betrachteten uns und unsere seele. es schien, als seinen wir körperlos, da wir nur dem inneren, wundersamen des anderen immer näher kommen wollten.
und es klappte gut.
ich besuchte sie in einer sommerwoche und wir hatten das haus in einem kleinen dorf in baden-würtemberg für uns. ich liebte ihren dialekt und die behutsamkeit, wie sie mit meinem wesen umging. ich liebte die musik, die sie mir zeigte und die art, wie sie den mozarella schnitt. wir schauten filme und weinten an den unterschiedlichsten stellen und erklärten uns, warum.
wir besuchten ihre mutter auf dem friedhof und ich war sie und sie war ich. wir hielten uns die ganze nacht und den ganzen tag, sie belächelte liebevoll meine ungestüme art und ich trug sie auf händen durch das ganze haus. wir frühstückten auf der terrasse und betrachteten unsere leben. wir schmiedeten pläne für die zukunft und im herbst zog sie nach berlin. sie tat alles, um mich zu sehen und für mich da zu sein. ich gab alles und nahm alles und wir umfassten unser ganzes sein wie ein wertvolles geschenk.
es sollte für immer sein.
und wir tanzten glücklich durch den herbst und durch den winter, kämpften kleine kämpfe gegen den rest der welt und kehrten in unserem wir ein um frieden und glück zu finden.
der sex war fantastisch, eben weil es direkt ins wesen ging und es nicht darum ging, irgendeine muschi zu ficken. ich wollte diesen mensch und ich wurde als mensch gewollt mit allen ecken und kanten.
wir redeten über alles, immer tiefer in unsere wesen hinein und es tat gut und ich fühlte, dass es ein schlüssel zum wahren glück war, dass wir gotteskinder sein mussten, weil wir uns begegnen durften.

viele tage gingen ins land und schafften die basis für eine perfekte beziehung. kein einengen, pures glück, pures vertrauen und als der nächste sommer ins land kam, kam ein neuer mensch.

ich weiß nicht, warum ich auf einmal dachte, ich müsste einen mann haben. ich war geschwächt von den vielen auseinandersetzungen mit meiner familie, ich war auf einmal unsicher, hörte geschichten von familien, die kinder kriegen konnten, ganz natürlich. schwanz + muschi = kind. ich konnte das nicht. und ich wurde unzufrieden, ängstlich und suchte nach schwächen bei ihr. und dieser bekloppte typ kontaktierte mich immer intensiver und ich kontaktierte zurück und missbrauchte das vertrauen meines glücks.
ich traf mich mit ihm und redete über meine ängst, über mein lücken-dasein, dass ich das gefühl hätte, nicht in diese welt zu passen.
er war da, er war verständnisvoll, er war tief, er war neu und letztendlich missbrauchte er meine unsicherheit. und ich missbrauchte sie auch. ich ließ sie allein um etwas neues zu beginnen und frage mich manchmal heute noch, wie alles passieren konnte.
der typ ist nun mein bester freund, da wir sexuell zu 0% zusammen passten und unser vorhaben, einen erotischen abend zusammen zu verbringen, mehr als nach hinten losging.

sie wohnt heute in nrw und hat keine strohigen haare mehr. sie glättet sie und trägt kontaktlinsen. außerdem färbt sie dunkelbraun bis schwarz und rennt ins solarium, um ihre blassheit loszuwerden. heute passt sie nicht mehr auf mich auf, sondern auf eine andere und das ist auch okay, weil wir unser glück wohl viel zu früh gefunden hatten, alsdass es ein ganzes leben ohne andere erfahrungen hätte halten können.
aber oft denke ich an sie.und ich versuche auch, auf einen anderen aufzupassen.

manchmal höre ich ihren dialekt am telefon, spüre einen teil von ihrem wesen in ihrer stimme und denke doch, dass sich alles verändert hat.
wir haben jetzt beide beziehungen, in denen wir wachsen. kein hundertprozentiges vertrauen, keine sicherheit und keine harmonie. aber wir wachsen. und manchmal denken wir an unsere geschichte. und ein teil meines inneren kindes sehnt sich noch manchmal nach ihrer beschützenden hand, nach dem gefühl, dass wir zwei gegen den rest der welt waren und dass wir wussten, was wir aneinander hatten.
mit ihr an meiner hand war ich der stolzeste mensch der welt, denn sie war mir das wertvollste.
manchmal möchte ich sie mitten in der nacht anrufen und fragen, wie es ihr geht, aber es ist alles zu lange her.
eine studie sagt, dass man im gesamten leben nur 2-3 mal die große liebe, die allumfassende, große liebe finden wird. und ich habe manchmal angst, dass sie irgendwann nochmal zurückkommt. mich ansieht und ich es wieder weiß. was ich versucht habe, seit 3 jahren zu verleben, das gefühl. das eine besondere. wie es mit ihr war.

Sex. Die Geschichte eines Jahrzehnts.

Unerwarteterweise hatte ich zum ersten Mal mit 18 Sex. Ich hatte immer gedacht, ich würde früher Sex haben. Irgendwas hielt mich davon ab. Konkret waren das dreckige, muffige Betten, Begegnungen mit Typen, die es nicht wert waren oder unmögliche Situationen. Unmögliche Situationen schlossen auch Sex in meinem Bett ein. Meine Eltern hatten nämlich ein Hochbett. Leider war das Hochbett direkt unter meinem Zimmer, ich konnte mir also lebhaft vorstellen, wie ich quasi anderthalb Meter über den Gesichtern meiner Eltern Liebe machte. Nee. Nee.

Ich erinnere mich daran, dass es mir nicht wichtig war, dass der Erste mein Freund war. Ich war der Meinung, Sex und Liebe hätten wenig miteinander zu tun. Deswegen suchte ich mir einen Entjungferer aus, einen bescheuerten Musiker. Jakob. Musiker standen ganz oben auf meiner Hitlist der potentiellen Deflorierer. Nicht nur, weil ich von unglaublich vielen Musikern umgeben war, sondern weil ich dachte, wer sein Instrument kann, kann auch Sex. Klar. Und wenn der Typ dazu auch noch bescheuert war (unlogisch, unberechenbar), umso besser! Jakob wollte nicht. Und sagte mir dann, dass das nichts mit mir zu tun hätte (?), aber die Frauen verliebten sich immer in ihn, wenn sie mit ihm geschlafen hätte. Außerdem müsste man beim ersten Mal immer so vorsichtig sein, da hätte er voll keinen Bock zu.

Tja. Also doch nicht. Ich weiß nicht, was mich mehr kränkte: die Annahme, dass alle Frauen, die mit Jakob Sex hatten, automatisch Sinn und Verstand verloren und von ihm und seiner Liebeskunst abhängig wurden oder den Fakt, dass er keine Lust hatte, vorsichtig zu sein. Dann ging ich ein Jahr auswandern. Ein Jahr keine Musiker. Dafür aber Sex.

“Es wäre mir eine ungeheure Ehre.” sagte Jim im Herbst des gleichen Jahres. Jim fand mich schön, attraktiv und witzig und war trotzdem nicht mein Freund. Jim war einer der Männer, die man immer treffen will. Einer, der Frauen auf Händen trägt und trotzdem sexy ist. Herrlich. Jim und ich hatten dann Sex, auf einem Futon. Es tat weh und es war nicht im geringsten so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich hatte immer gedacht, Sex wäre so ganz arschgeil. So allumfassend glitschig und heiß und hart und geil. Ich hatte auch immer gedacht, Sex von hinten wäre ganz bestimmt das Maß aller Dinge. Ich schlief ein paar Mal mit Jim und wir hatten Sex von hinten. Es tat weh. Ich stellte fest, dass ich Sex wohl nicht konnte, ich kam nämlich nie. Ich glaubte auch immer noch nicht daran, dass es irgendeine Verbindung zwischen Liebe und Sex gab. Meine beste Freundin hatte nämlich auch ständig Sex ohne verliebt zu sein und kam immer.

Jim musste wieder zurück an die Ostküste und ich verliebte mich neu. In Michael. Michael war der Meinung, Sex müsste hart sein. Ich kannte nur Sex mit Jim und war verwundert. Dann wiederum tat der Sex mit Michael weh und der Sex mit Jim auch. Also, so schien mir, konnte ich ja nicht wirklich meine eigene Meinung haben, was die Härte des Sexes anbelangte. Michael war im übrigen auch bescheuert. Und ging zum Jahreswechsel weg, nach Südkalifornien. Zum Glück.

Dann traf ich Paulo. In Paulo war ich ein bisschen verliebt, vor allem, weil er aussah wie ein Mädchen. Paulo war schwul und wusste es nicht. Ich meine, wer ist denn bei der US Navy und hört Ani DiFranco? Er fand Sex mit mir unangenehm. Ich fand Sex mit ihm anstrengend. Er war so dünn und kantig, diesmal war es nicht der Sex der wehtat, sondern seine Ellenbogen. Dann war ich gestört genug, um die nächsten Jahre nicht zu wissen, wohin mit mir.

Meine Liste der Typen, mit denen ich fortan schlief, umfasste einen, mit dem meine beste Freundin und ich quasi zeitgleich pennten, ohne es zu wissen. Danach eine chaotische Baggage an One-Night-Stands, an die man sich nur beschämt und widerstrebend erinnert. Dann eine lange Beziehung mit jemandem, der eigentlich lieber Sex mit Männern und Peitschen hatte. Einen, der ständig Grenzen überschritt und mich anbrüllte, ich hätte ein Gewichtsproblem. Einen, der dachte, wenn er zu nett sei, dann würde er mit mir eine Beziehung eingehen müssen.

Meine Vorstellung von Sex änderte sich erst, als ich mit Ende zwanzig feststellte: bescheuerte Männer bringen’s nicht. Sex ohne Liebe bringt’s nicht. Sicherheit bringt’s, Alkohol nicht. One-Night-Stands bringen’s VOLL nicht. Sich stressen, weil man nicht kommt, bringt’s nicht. Muschi rasieren bringt’s voll. Sport machen bringt’s total. Die Seele bedingt mein Sexleben immer, egal ob ich will oder nicht.

Und dann lernte ich Seamus kennen. Seamus ist ähnlich wie Jim. Seamus verehrt mich und kommuniziert das. Außerdem hat er viel Respekt für mich und meine wunderliche Seele. Und dann gibt es wilden Sex, immer wieder, am Anfang ohne Unterlass. Der ganz schön nah an etwas rankommt, was ich schon mit 18 dachte: Sex ist ganz arschgeil. So allumfassend glitschig und heiß und hart und geil. Und Sex von hinten ist unumstritten das Maß aller Dinge. Und Junge, hat die Erkenntnis mal lange gedauert.

Montag, 25. Mai 2009

interruptus

Sie lag schon im Bett, als er noch an seinem Computer arbeitete. Er hatte Musik aufgelegt. Darüber muss sie eingeschlafen sein. Es war spät, als er sich zu ihr legte. Sie weiß das deswegen, weil sie aus schon tief geschlafen hatte. Ihn so dicht an sich zu spüren, ließ die müden Teile ihres Körpers langsam wieder aufwachen. Erst sträubte sie sich, wandte sich dann aber ganz bald ganz tief in seine Kuhle, seine warme Haut auf ihrer noch wärmeren. Sie spürte den Herzschlag in seinem Penis, ein leichtes Anklopfen an ihrem Hintern, gepumptes Blut. Ihr gefiel das und doch wollte sie eigentlich weiter schlafen, der Tag morgen würde früh starten. Klopf, klopf! Sie konnte nichts tun, sie schob ihren Hintern Stück für Stück näher an seine Erektion, drehte sich schließlich um und küsste ihn. Sie schmeckte den Schlaf in ihrem Mund. Ihre Zunge suchte nach seiner. Sie seufzten. Seine Hand wanderte langsam hinunter in ihre Unterhose, ihre Hand umfasste seinen steifen Pimmel. Ganz langsam, unter anhaltenden Küssen rieben sie aneinander, spielten mit der sich entwickelnden Feuchtigkeit zwischen den Beinen und küssten küssten küssten dabei weiter. Gerade war er mit seinem Finger in sie eingedrungen, sie hielt seinen Schwanz fest umschlossen in ihrer rechten Hand, bewegte sie langsam hoch, langsam runter, als der abscheulichste Krach beide den Atem anhalten ließ. Der schlimmste Klingelton der Welt! Er hatte seinen Finger noch nicht ganz aus ihr herausgezogen, da war er schon aufgestanden, dem Scheusal, dem Telefon entgegen. Er nahm ab. Sie hörte, wie eine Männerstimme seinen Namen aussprach. Verzweiflung im Tonfall. Er stand da, in der Dunkelheit mit seinem dicken Schwanz und von einer Sekunde zur nächsten war seine, war alle Leichtigkeit aus dem sexuellen Vorspiel weg. Er band sich ein Handtuch um die Hüfte und verschwand irgendwie peinlich aus dem Zimmer. Sie starrte auf die Tür, die hinter ihm zugegangen war und zwang sich, ihre Erregung runter zu pegeln. Ungläubig warf sie sich von einer Seite zur nächsten. Durch die Wand hörte sie den Bass seiner Stimme. Hörte, wie er mit jemandem sprach, der ihn weit nach Mitternacht anrief. Sie fühlte sich plötzlich beschissen, beschissen, beschissen. Wie ein Stück Fleisch zurückgelassen, bereit zu ficken. Gefickt zu werden. Und er hatte dieses Scheiß Telefon nicht einfach weiterklingeln lassen, beschissen!... Minuten vergingen, dann der Einzug klarerer Gedanken. Sie ahnte, dass es P war, am anderen Ende. P, sein Ex-Freund. Ein paar Stunden zuvor hatte ihr bester Freund M, der gerade mit P ausging, ihr unter Stress und Anspannung erzählt wie er glaubte, dass er das Ganze mit P beenden müsse. Plötzlich war sie sich ganz sicher, es könnte niemand anders als P sein. Oder hoffte sie es? Irgendwie war sie erleichtert. Sie stand auf, griff nach seiner Decke und brachte sie in das eisig kalte Zimmer, in das er sich zum Telefonieren zurückgezogen hatte. Er blickte kurz auf zu ihr, doch seine Augen verrieten nichts. Dann ging sie die Treppe hinauf in ein anderes Zimmer. Sie wusste, der Mitbewohner (und ihr Freund) war verreist und legte sich in dessen verlassenes Bett. Eine Weile nach dieser Weile klopfte er zaghaft an die Tür. Eingewickelt in die Decke, die sie ihm gereicht hatte kam er ins Zimmer und flüsterte, „es tut mir so leid. P läuft gerade ohne Schuhe durch die Nachbarschaft. M hat mit ihm Schluss gemacht. Ich will versuchen, einen seiner Freunde zu kriegen, damit die sich um ihn kümmern können “. Sie streichelte durch seine Locken, sagte „mach das“ und schlief dann ein. Es war sicherlich schon fast 4, als sie aufwachte. Wieder hatte er sich neben sie gelegt, war nackt unter ihre Decke gekrochen. Sie seufzte, er nahm sie in den Arm, dieses Mal war er viel kälter als sie. Sie legte ihre schlafheiße Hand auf seinen Unterarm. Er küsste sie aufs Ohr und sagte „es tut mir leid, schlaf weiter“. Dieses Mal pocherte kein Puls in seinem Schwanz, sie räkelte sich in seinen Löffel und dann schliefen sie gemeinsam ein.

Penisverwirrung.

Und plötzlich waren fast zwei Monate vergangen dass sie mit diesem Mann schlief, der auch mit anderen Männern schlief. Beim allerersten Mal, nein, kurz vor dem allerersten Mal sagte sie noch zu ihm, „ich find das komisch. Die Vorstellung...“ Er lachte und fragte: „wirklich?“ „ja, WIRKLICH. Natürlich!“ Nach dem zweiten Mal hatte sie den Gedanken fast nicht mehr, beim dritten Mal war er weg. Kein einziges Mal während sie sich berührt hatten, miteinander gekommen waren, oder er ihr die Falte auf der Stirn gerade gestrichen hatte war ihr der Gedanke gekommen. Nicht ein einziges Mal hatte sie wirklich darüber nachgedacht, über dieses Phänomen, dass er bi war. Bi, zwei, beides. Dass er, genau wie sie auf Männer stand – ‚auch’ auf Männer stand. Bis zu diesem Tag, an dem er über jenen Typen sprach. Nicht, dass er nicht auch schon zuvor über diesen oder jenen Typen sprach, nur tat er es an diesem besagten Tag anders. Da kam das Komische daran zurück – keine Eifersucht, dafür war nichts konkret genug, dafür hatten sie für das, was sie miteinander hatten noch keine Kategorie definiert. Aber das Gefühl hatte etwas freudianisches. Es ähnelte der Eifersucht, aber war doch anders. Es war Hilflosigkeit darin in dem Gefühl, Wissen, dass das, was sie hatten in einer, ihrer Welt passierte, die mit der anderen, seiner anderen Welt nichts zu tun hatte. Es war, als schwirrten zwei Kreise, fremde Kosmen durch die Luft, die sich hie und da berührten um dann eine Schnittmenge für ihn zu kreieren. Sie kam in diesem anderen Kosmos nicht vor. Mit den alten Regeln der Prinzessin, die schöner ist und schlauer als alle anderen hinter den sieben Bergen, hatte dieses Gefühl nichts zu tun. Natürlich machte sie das hilflos und ratlos und natürlich kränkte es sie auch und doch war es okayer, als es in ihrer altbekannten Welt mit ihren altbekannten Regeln okay gewesen wäre. Sie entschloss, trotzdem und auch deswegen, es zu lassen mit der Körperlichkeit zwischen ihnen. In der Ahnung, dass dieses Gefühl, diese Verwirrung wiederkommen und vielleicht nicht gesund für sie sein würde. Zwei Wochen hielt ihr Vorsatz, sie übten sich in Freunde sein und verbrachten plötzlich 3 mal so viel Zeit miteinander wie zuvor. Und dann brach der Vorsatz zusammen und nur eine Woche später war alles wie am Anfang. „Ich find das komisch. Die Vorstellung...“ Er lachte und fragte: „wirklich?“ „ja, wirklich. Natürlich!“ Nach dem zweiten Mal hatte sie den Gedanken fast nicht mehr, beim dritten Mal war er weg, der Gedanke. Kein einziges Mal während sie sich berührt hatten, miteinander gekommen waren, oder er ihr die Falte auf der Stirn gerade gestrichen hatte. Nur glaubt sie zu wissen, dass es so weitergehen könnte. Im Augenblick ist es ihr egal.

Donnerstag, 21. Mai 2009

Wie lange schon?

Am Anfang ging es alles wie von selbst. Es begann an einem Sommerfest. Ein schöner Zufall. Zwei Leute lernen sich kennen, ganz unvoreingenommen, und bei jedem weiteren Treffen merken sie, wie viel sie gemeinsam haben... Zuerst die Vergangenheit: Abgründe, Sucht, Kampf, Leere und langsam Schritt für Schritt zurück ins Leben. Dann die Gegenwart: Körper, immer in Bewegung, immer gespannt wie ein Bogen und so sehnsüchtig nach dem weichen Summen der Zufriedenheit. Und die Zukunft: ewiges Streben, Verlangen, immer weiter gehen wollen und sich nie ganz spüren außer im wilden, sinnlichen Jetzt.

So haben wir einander entdeckt, jeden Moment, jedes Jahr ein wenig mehr, und immer ging es alles wie von selbst. Wir wurden wie Magneten, haben uns gegenseitig gezogen. Immer wenn wir zusammen waren, haben wir uns bewegt, uns im Rhythmus besser verstanden als mit Worten. Es war alles so leicht. Wir waren zusammen laufen am See und danach im Wasser. Wir haben zusammen trainiert, uns überall angefasst, ohne Scham und ohne voneinander Besitz zu ergreifen. Nur Liebende wollten wir nie sein. Er hatte sein Leben, ich hatte meins. Da gab es nichts zu vereinen. Die Momente mit ihm waren immer pur und nackt und schön. Da gab es auch nichts zu ergänzen.

Es dauerte drei Jahre, bis wir es beide einsahen: Wir konnten nicht mehr voneinander lassen. Wir verbrachten mehr Zeit miteinander als mit irgendwem sonst. Wir führten beide ein Doppelleben, an dem weder unsere Partner noch unsere Freunde teilhatten. Wir hatten uns ganz allein und konnten den anderen nicht mehr loslösen aus dem großen Bild. Ich hatte mich verliebt. So unglaublich verliebt in diesen Mann mit vier Kindern und einem Leben, das ich niemals hätte teilen wollen. Aber so war es eben. Es ging nicht mehr beiseite zu schieben. Ich wollte ihn und er wollte mich genauso. Damals ging es dann alles ziemlich schnell. Wir kamen uns näher, hatten die erotischsten Momente und schliefen doch nie miteinander. Da war noch zu viel Zauber. Wenn ich an seinen Geruch nur denke, wird mir fast schwindelig. „Du fasst einen so schön an,“ sagte er ein Mal. „Ich fasse nur dich so an,“ hab ich geantwortet. Und wir beide betrogen unsere Partner – als sei es das Natürlichste auf der Welt. Bis heute bereue ich keinen einzigen Moment.

Dann war es plötzlich vorbei. Ein Drama. Es sollte schließlich auch nicht sein. Irgendwann musste es platzen. Seine Freundin bekam es raus, er beschloss, sein Leben zu ändern, um mit seinen Kindern sein zu können und wahrscheinlich, weil er Angst hatte, allein zu sein. Ich verließ meinen Freund und ging ins Ausland.

Das war vor drei Jahren. Die Geschichte, die nie hätte beginnen dürfen, war vorbei.

Und jetzt steht er plötzlich wieder vor mir und scheint erwachsen geworden. Gesund und mit echten Plänen für die Zukunft. Mit einem Haus und einem Hund und der gleichen Frau, die ihm wohl verziehen haben muss. Und ich genauso. Kein Haus, kein Hund, aber den Mann meines Lebens an meiner Seite. Den, mit dem ich Kinder haben will.

Und da sitzen wir mit unserer gemeinsamen Vergangenheit, mit der vergangenen Gegenwart und der ewig unfassbaren Zukunft und ähneln uns immer noch so sehr. Und er riecht noch genauso. Er sieht mich genauso an und ich will ihn wieder mit der gleichen Gewalt. Heißkalte Schauer auf meinem Rücken und mir wird klar, dass ich süchtig bin.